Festung, Stadt, Festungsstadt – Freiraum und Architektur
Vortrag im Rahmen des 2. BDA Gesprächs Rheinland Pfalz
18. August 2009, 18.30 Uhr
Rhein-Mosel-Halle
Julius-Wegeler-Str. 4
56068 Koblenz
Pressetext
Seit den ersten Ansätzen einer Besiedlung an der Moselmündung bestimmten immer wieder militärisch-strategische Überlegungen die Entwicklung der Stadt Koblenz. So entstand mit der Errichtung der Großfestung durch die Preußen in der 1.Hälfte des 19.Jahrhunderts eine der größten Festungsanlagen in Mitteleuropa, die entscheidend die Stadtentwicklung und Stadtplanung beeinflusste. Mit Ende des 1.Weltkrieges verloren die Koblenzer Festungsanlagen endgültig ihre militärische Bedeutung. Damit einher ging, auch bedingt, durch die Verpflichtungen des Versailler Vertrags ihre Schleifung und Zerstörung. Die Festungsanlagen bzw. ihre Reste wurden zu dem, was wir heute Konversionsflächen nennen würden. Teile der Anlagen gingen in der städtischen Entwicklung auf und sind heute noch im Stadtgrundriss ablesbar. Andere Teile erhielten unterschiedliche Zwischennutzungen, die jedoch nicht von langer Dauer waren. So wurden sie abermals zu Konversionsflächen im städtischen Raum. Ihren Resten, sowohl baulich wie auch räumlich, kommt heute eine hohe Bedeutung zu. Sie betrifft sowohl das Kulturdenkmal als Zeugnis einer wichtigen historischen Epoche und des mit ihr verbundenen baukulturellen Schaffens als auch die Wechselbeziehungen zwischen Baudenkmal und Natur und im Hinblick auf die aktuelle Stadtentwicklung. Die damit verbundene Aufgabe ist eine große Herausforderung für Denkmalpfleger, Architekten, Stadt- und Freiraumplaner aber auch für Bürgerinnen und Bürger sowie politisch Verantwortliche.
BDA-Landesverband und Generaldirektion Kulturelles Erbe wollen mit dieser Veranstaltung Aufmerksamkeit auf diese Aufgabe lenken und einen Beitrag zum Verständnis der Thematik leisten.
Neubau der Deutschen Botschaft in Belgrad, Serbien
Leitideen
Das neue Gebäude für die Deutsche Botschaft in Belgrad ist als selbstverständlicher Stadtbaustein in die Solitärreihung entlang der Ulica Knesa Milosa eingefügt. Sowohl aus städtebaulicher Sicht als auch aus Gründen der Sicherheit und Energetik wird mit dem vorliegenden Entwurf eine große Kompaktheit angestrebt.
Gleich einem dreidimensionalen Puzzle werden die Bereiche unterschiedlicher Funktionen und Anforderungen zusammengefügt (vgl. Piktogramme). Durch das Öffnen von Sichtachsen durch dieses dreidimensionale Puzzle hindurch entsteht im Inneren ein überraschend offenes und transparentes Gebäude. Zentrales Element ist hierbei ein Erschließungsraum, der alle Bereiche miteinander verbindet und den Benutzer durch das Gebäude leitet. An mehreren Stellen tritt dieser Erschließungsraum ablesbar an die Fassade und ermöglicht trotz eingehaltener Sicherheitsanforderungen eine Kommunikation des Gebäudes mit seiner Umgebung bzw. den Menschen im und außerhalb des Gebäudes. Den gleichen Zweck erfüllt die Entscheidung, das Foyer in das 1. OG zu verlegen und hier – als Teil des beschriebenen Erschließungsraums – in klassischer Manier als piano nobile und vorgeschalteter Loggia das Gebäude einladend und offen zu präsentieren.
Nationaler Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur
Zweimalige Auszeichnung für gernot schulz : architektur im Rahmen des Nationalen Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur
Im Rahmen des 3. Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklung auf Zollverein in Essen wurde erstmals der Nationale Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur vergeben.
Bauminister Wolfgang Tiefensee zeichnete unter anderem den Campus in Halle/Saale und das Haus der Architektur aus.
Kindertagesstätte für die Ruhr-Universiät Bochum
zum Entwurf
Der vorliegende Entwurf positioniert sich bewusst an die Nahtstelle zwischen vorhandener bebauter/befestigter Fläche und der grünen Landschaft. Nach dem Prinzip des Weiterbauens werden die Gestaltungselemente der Ruhruniversität auch auf den Kindergartenneubau angewendet dabei jedoch auch funktional transformiert und ästhetisch modernisiert. Die Abgrenzung zwischen der Gestaltung „von Menschenhand“ und „durch die Natur“ wird somit ablesbar und kann in die tägliche Arbeit mit den Kindern integriert werden.
Für die tägliche Organisation einer Kindertagesstätte ist die Unterbringung aller Funktionen auf einem Geschoß zwingend. Ein gut einsehbarer und geschützter Außenbereich ist ebenfalls ein Muss.
Zentrales Element des Entwurfs ist daher ein großer Hof um den sich alle Sonderfunktionen des Raumprogramms anordnen und der zentrales Erschließungselement aller Bereiche ist. Bei Sonderveranstaltungen – z.B. Elternabend oder Aufführungen im Mehrzweckraum – kann dieser auch direkt über den Hof erreicht werden ohne dass alle Besucher das Haus durchqueren müssen.
Im Dialog der pädagogischen Sonderräume mit den Spiel- und Lernelementen des Hofes werden die Inhalte Spielen und Lernen auch architektonisch zusammengeführt.
In den Gebäudeecken werden kleine Versammlungsbereiche in die Flurflächen integriert und in der Dachkubatur wie auch der große Versammlungsraum hervorgehoben. Die kleinen Versammlungsbereiche eignen sich zu gruppenübergreifenden Aktivitäten und kurzfristigen Versammeln und schaffen in der großen Einrichtung Fix- und Orientierungspunkte.
Vom Einfluss der Musik auf die zeitgenössische Architektur
Sonntag, 24. 5. 2009, 20.05 – 21.00 Uhr, Bayern 2
Klingende Räume
Von Niels Beintker
Pressetext
Kann heute ein Architekt mit Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ ein Gebäude entwerfen? Beeinflussen elektronische Beats die Gestaltung von Räumen oder Fassaden? Die Architektur wird vielfältig durch die Musik inspiriert. Offensichtlich, wenn etwa ein großes Konzertgebäude entsteht. Und verborgen, wenn die Auseinandersetzung mit der Musik die Planung eines Bauwerks begleitet. Die Glashalle der Leipziger Messe zum Beispiel, entworfen von dem Hamburger Büro von Gerkan, Marg und Partner, wurde nach dem Vorbild einer Bachschen Fuge gestaltet, als Komposition, in der sich strukturelle Ordnung und künstlerische Freiheit miteinander verbinden. Der Kulturspeicher in Würzburg, gebaut nach den Plänen der Architekten Brückner und Brückner, fand seine Form auch durch eine intensive Beschäftigung mit Klängen und Tönen. Die Idee für den Umbau des Salzburger Mozarteums schließlich wurde anhand der Musikalität des städtischen Raumes entwickelt. Von diesen versteckten Einflüssen auf die Baukunst der Gegenwart handelt das Musikfeature. Die Architekten Christian und Matthias Brückner, Volkwin Marg, Gernot Schulz und Robert Rechenauer erzählen über ihr Verhältnis zur Musik.
Redaktion: Meret Forster